Wie die Stadt ihren Weg zur klimafreundlichen Wärmeversorgung gestaltet

Die Stadt Papenburg arbeitet gemeinsam mit EWE NETZ an einem Wärmeplan, der zeigt, wie die lokale Wärmeversorgung bis 2040 klimafreundlich umgestaltet werden kann – transparent, technologieoffen und ohne rechtliche Verpflichtungen für private Haushalte.

21.10.2026 // Wirtschaftsforum Papenburg

Ein Thema, das die ganze Stadt betrifft

Die Wärmewende entscheidet sich nicht auf Bundesebene, sondern vor Ort – in Rathäusern, Unternehmen und Privathaushalten. Papenburg gehört zu den Städten, die frühzeitig mit einer umfassenden kommunalen Wärmeplanung begonnen haben. Seit 2024 entsteht in Zusammenarbeit mit EWE NETZ ein detailliertes Bild der heutigen Wärmeversorgung sowie möglicher Wege in eine klimafreundliche Zukunft.

Was die kommunale Wärmeplanung umfasst

Der Wärmeplan untersucht, wie die Wärmeversorgung der Stadt derzeit funktioniert, wie sie sich bis 2040 entwickeln könnte und welche Optionen wirtschaftlich tragfähig sind. Er analysiert Wärmebedarf, Gebäudestrukturen, Heizsysteme und erneuerbare Potenziale.

Rechtlich bleibt die Wärmeplanung zunächst folgenlos: Der Plan selbst verpflichtet niemanden. Erst wenn der Stadtrat später ein Gebiet offiziell als Wärmenetzeignungsgebiet festlegt, ergeben sich Vorgaben für neu installierte Heizungen – bestehende bleiben unberührt (§ 23, § 27 WPG; § 71 GEG).

Die Ausgangslage in Papenburg

Eine kartografische Übersicht des Wärmebedarfs (Grafik Seite 3) zeigt: Der jährliche Wärmebedarf der Stadt liegt bei rund 554 GWh.
  • 93,8 % der Gebäude sind ans Gasnetz angeschlossen.
  • Etwa 28 % der Heizungsanlagen sind älter als 20 Jahre.
  • Wärmenetze existieren bislang nicht.
  

Diese Struktur prägt die Ausgangslage – und damit die Frage, ob künftig eher dezentrale Lösungen oder punktuell zentrale Wärmenetze sinnvoll sind.
  

Dezentrale Versorgung: Optionen für den Großteil der Gebäude

Die Potenzialanalyse zeigt, dass in den meisten Papenburger Quartieren eine dezentrale Wärmeversorgung möglich ist. Dazu gehören:
  • Wärmepumpen
  • Biomassekessel
  • Solarthermie
  • Hybridsysteme

Insgesamt 17.000 Gebäude eignen sich laut Analyse grundsätzlich für dezentrale Systeme – das entspricht einem Potenzial von rund 300 GWh pro Jahr.
Gebäude ab Baujahr 1996 erfüllen oftmals bereits die wichtigsten energetischen Anforderungen für den Einsatz einer Wärmepumpe.
 

Zentrale Lösungen: Wo Wärmenetze sinnvoll sein könnten

Parallel dazu wurden sechs Wärmenetzeignungsgebiete (WNEG) identifiziert. Dazu gehören u. a.:
  • „Stadtmitte“
  • „Campus Obenende“
  • „Alte Werft“
  • „Aschendorf“

Gemeinsam decken sie rund 58 GWh des Wärmebedarfs ab – etwa 4 Prozent der beheizten Gebäude.
  

In diesen Gebieten werden nun wirtschaftliche Machbarkeiten geprüft – von Solarthermie-Großanlagen über industrielle Abwärme bis hin zu kalten Nahwärmenetzen.


Was bedeutet das für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen?

Der Wärmeplan zeigt Optionen – er schreibt nicht vor.
  Für Haushalte bedeutet das:
  • Bestehende Heizungen dürfen weiter betrieben werden.
  • Der Plan hilft bei Entscheidungen für Sanierung und Heizungstausch.

Für Unternehmen:
  • Planbare Rahmenbedingungen für Investitionen.
  • Transparenz über mögliche zukünftige Versorgungsoptionen.

 

Wie es weitergeht: Die nächsten Schritte

Der Zeitplan für die kommunale Wärmeplanung sieht vor:
  • Q1 2026: Fertigstellung des Abschlussberichts
  • Q2 2026: Beratung & Beschluss im Stadtrat
  • ab Q3 2026: Start der Umsetzungsphase – u. a. Machbarkeitsstudien, Projektierung erster Wärmeprojekte
  

Damit beginnt der Übergang von der Analyse in die Praxis: Die Weichen für Papenburgs Wärmezukunft werden gestellt.

 

Fazit: Ein klarer Blick nach vorn

Die kommunale Wärmeplanung macht Papenburg fit für die Zukunft. Sie zeigt transparent, welche Wege möglich sind, wo Chancen liegen und wie der Übergang zu klimafreundlichen Lösungen gelingen kann. Die Wärmewende bleibt komplex – aber sie ist machbar, wenn Daten, Entscheidungen und lokale Expertise zusammenkommen.